Header

Suche

Was haben Obwaldner und Basler gemeinsam? Man sagt "griezi"!

Abgesehen von der Gemeinde Samnaun im Engadin, in der ein bairischer Dialekt gesprochen wird, zählen die Deutschschweizer Dialekte zum Alemannischen. Innerhalb des alemannischen Gebiets gibt es noch weitere regionale Unterscheidungen. Dem Hochalemannischen gehört die Mehrzahl der mittelländischen Dialekte an – sowie angrenzende Regionen in Frankreich, Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Davon abzugrenzen sind die Basler Dialektinsel, wo Niederalemannisch gesprochen wird, und die höchstalemannischen Dialekte im Alpenraum.

Führt man sich vor Augen, wie lange man noch vor einigen Jahrzehnten gebraucht hat, um abgelegene Täler in den Alpen zu erreichen, erstaunt es nicht, dass sich sprachliche Neuerungen der mittelländischen Dialekte nicht so schnell in den Alpen ausbreiten konnten. Umgekehrt verbreiteten sich höchstalemannische Innovationen nicht ins Hochalemannische. Dies ermöglichte die Entwicklung kleinräumiger Dialekte, die sich durch viele Eigenheiten und sprachliche Relikte auszeichnen.

Ein Beispiel dafür lässt sich in Daten von 2018 finden, die mit der App gschmöis erhoben wurden. In den dunkelblauen Gebieten der folgenden Karte wird die erste Silbe von «Rücken» mit i ausgesprochen. Das Wort lautet dann etwa Rigg oder Rigge. In den orangen Gebieten heisst es hingegen Rügg oder Rügge, in den hellgrünen Rugge. Beim Wandel von Rügg zu Rigg spricht man von einer Entrundung, wie man leicht erkennen kann, wenn man die beiden Laute ausspricht: Bei ü – wie im Übrigen auch bei u – sind die Lippen gerundet, bei i hingegen gespreizt. Schauen wir uns nun an, wo Rigg gesagt wird, fällt auf, dass dies in alpinen Gebieten besonders häufig ist, also an Orten mit höchstalemannischen Dialekten.

Ein ähnliches Bild findet sich auch beim Wort Löffel. Die beiden gerundeten Formen Löffel (hier in Hellgrün) und Löffle (in Orange) haben die grösste Ausbreitung und sind die dominante Form im gesamten Mittelland. Auch in Graubünden und dem Berner Oberland gaben die Befragten diese Formen als beliebteste an. In den gelb gefärbten Regionen der Innerschweiz, also in der südlichen Vierwaldstätterseeregion, und dem dunkelblau markierten Wallis kommt es aber zur Entrundung. In Unterwalden und Uri heisst die Mehrzahl Leffel/Leffu, im Wallis Leffle/Leffla.

Wer nun einwendet, dass auf der Karte zur Aussprache von Löffel nicht alle höchstalemannischen Dialekte dem Gebiet mit Leffel (grün) oder Leffle (violett) zugerechnet sind, hat absolut recht. Die Karte – wie im Übrigen auch jene zur Aussprache von «Rücken» – stellt nicht alle höchstalemannischen Dialektgebiete dar, sondern nur diejenigen, die bei unserer Befragung überdurchschnittlich häufig entrundeten. 

Kommen wir aber nochmals zum Titel zurück. Dieser deutet bereits an, dass nicht nur die Gebirgsmundarten entrunden – auch in einer Region im Nordwesten der Schweiz, rund um Basel und in Teilen des Kantons Solothurn, werden einige Vokale traditionellerweise entrundet gesprochen. So sagt man in Obwalden wie in Basel griezi und nicht grüezi, scheen anstatt schöön, und miis anstelle von müüs.

Weiterführende Informationen

Du willst mehr wissen?

Die Entrundung im Wort «Glühbirne» und weitere klangliche Eindrücke kannst du dir auf der Website Stimmen der Schweiz anhören:

Stimmen der Schweiz

Der Sprachatlas der deutschen Schweiz dokumentiert das Schweizerdeutsch, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesprochen wurde. Glücklicherweise ist viel von diesem reichhaltigen Material online zugänglich! In der verlinkten Karte wird dir die Entrundung im Verb brüele (bzw. briele) interaktiv dargestellt:

SDS Karte von brüele

Woher kommen die Daten für unsere Karten?

Die hier vorgestellten Karten basieren noch auf den Daten unserer Vorgänger-App gschmöis. Wenn du gerne mehr über dieses Projekt erfahren möchtest, klicke auf den folgenden Link: 

Zum alten gschmöis